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Professionelle Tonqualität

Der Ton macht nicht nur die Musik

Nils van Well, Projektleiter bei Bavaria Film Interactive, sieht in der schleichenden Erosion der Honorare auch eine Entprofessionalisierung des Tons – und plädiert für das Comeback des Tonmeisters.

Der Ton macht nicht nur die Musik
Nils van Well: betreut bei Bavaria Film Interactive als Projektleiter Kunden wie O2 Germany, Allianz Global Investors und die HypoVereinsbank

Der Ton ist das Stiefkind am Drehort. Ärger im Schnitt liegt meist am Ton. Dumpf klingende, weil brachial heruntergeregelte Interviews, falsch ausgerichtete Mikrofone, die zuviel Umgebungsgeräusche aufzeichnen und elektrische Knickser auf der Tonspur – wen wundert es, wenn der Kameraassistent noch während der Aufnahme warnt: „Scheiß Ton.“

Kein Wunder, denn wer als Kameraassistent Ton aufzeichnet, ist so schlecht bezahlt, dass er schleunigst Kameramann werden will. In den herkömmlichen EB-Teams trifft man meist junge, wenig erfahrene Assistenten, die den Ton fast nie mit großem Engagement aufzeichnen. Treffe ich am Drehort einen alten Hasen mit Kopfhörer, entspanne ich mich gleich, denn ich weiß, heute bist Du in guten Händen. Die schleichende Erosion der Honorare für Kamerateams hat die Tonaufzeichnung entprofessionalisiert.

Dass es anders geht, kann man bei Auslandsdrehs in den USA erleben.
Der Kameraassistent ist hier Sound Engineer und geht einem ehrbaren Beruf nach, der angemessen bezahlt wird. Folglich sind es regelmäßig Seniors mit viel Berufserfahrung. 

Auch Deutschland hat gestandene Tonmeister. Man muss sie nur engagieren. Neulich durfte ich mit einem besonders leidenschaftlichen Vertreter dieser Gattung arbeiten: Markus Dobler. Erst war ich erfreut, nicht die üblichen plumpen Ansteckmikros zu sehen, sondern zarte, unauffällige. Dann verriet er, dass er die Eingangsempfindlichkeit dieser Mikros verändert habe. Auch den Frequenzbereich seiner Funkstrecken habe er vergrößern lassen, damit der Ton voller und die Bässe satter klingen. Obwohl mich ein schlechtes Gehör plagt, erstarrte ich vor Ehrfurcht. In Zukunft werden Angebote, die ich für Kunden schreibe, regelmäßig einen Tonmeister enthalten.

Zum Vergleich haben wir von Markus Dobler zwei eigens erstellte Atmo-Tonaufnahmen von seiner Terrasse erhalten. Ein günstiges Mikro und eins der Referenzklasse haben gleichzeitig Wind, fallende Blätter, Baustellenlärm, Stimmgewirr und Hubschrauber aufgezeichnet in 24 Bit, 48 kHz. Die zwei einzigen Bearbeitungsschritte: Basscut bei 200 Hz und ein MP3-Encoding mit 320 kbit/s.

Mono EB-Ton

Stereo Filmton

Während der EB-Ton blechern klingt und zudem verrauscht ist, kann man bei der Filmtonaufnahme wesentlich mehr Details heraushören, der Sound kommt satt und natürlich und die verschiedenen Schallquellen sind ortbar.

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© CPWISSEN 10.10.2011 11:23

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Elias Struck meint am 19.10.2011 - 10:32 Uhr

Schön, dass das mal jemand laut (...) sagt. Bei low- und mid-Budget-Produktionen haben sich ja anscheinend alle schon daran gewöhnt oder, noch besser: Sparen wir doch 200,- Euro am Tag am Set, das doppelte geben wir dann in der Audio Post wieder aus :-)

Wenn es überhaupt noch jemand hört. Nun ja, ich schätze, das wird sich noch verstärken. Schon jetzt gibt es eine deutliche Trennlinie zwischen einem Teil hochqualitativer Produktionen und auf der anderen Seite eine unfassbare Menge zusammengeschusterter "Beiträge". Bleiben wir auf der "guten" Seite, soweit wir können, den diese wird es immer geben. Die andere macht ja eh so suboptimal Freude .-)

fritz karmann meint am 10.10.2011 - 16:58 Uhr

Der Dobler kanns.

Liebe Grüsse!
Fritz Karmann

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