„Im Vertrieb liegen große Chancen“
Der Agentur KircherBurkhardt wird in der CP-Branche mit die höchste Kompetenz in Sachen digitale Magazine zugetraut. CPWISSEN fragt Rainer Burkhardt, Geschäftsführer von KircherBurkhardt und stellvertretender FCP-Vorstand, nach der Zukunft der Tablet-PCs und deren Auswirkungen auf das Corporate PubÂlishing.
Herr Burkhardt, sind die Tabletmagazine die CP-Zukunft?
Zumindest sind sie dank Apples iPad mit einem Marktanteil von – noch – 90 Prozent derzeit in aller Munde. Tatsächlich markieren sie eine neue Herangehensweise an das Thema „Magazin“. Man denkt bei der Produktion vom Start weg an Interaktion. Daraus ergeben sich ganz neue Spielvarianten für das Dialogmarketing.
Welche?
Wir sehen aus aktuellen Marktforschungserkenntnissen, dass das Tablet in die Primetime eindringt. Daraus ergeben sich wiederum Konsequenzen für die Herangehensweise beim Aufbau. Während man im Internet gezielt nach Informationen sucht, geht man auf dem iPad spazieren. Man lässt sich überraschen und dazu animieren, sich weiter und tiefer mit Inhalten zu beschäftigen. Stimmt der Spassfaktor, wird das Tablet mit dem Fernseher konkurrieren – und zugleich die Verbindung zum Unternehmen zu stärken.
Dringt das CP in neue Unternehmensbereiche vor?
Davon bin ich überzeugt. Große Chancen bieten sich im Vertriebsbereich. Das Stichwort lautet „Content und Commerce“. Corporate Publisher werden als Berater gebraucht, um via Tablet die Verbindung von Content und Commerce aufzuzeigen. Wir sehen hier eine große Zukunft und werden entsprechend investieren.
Wie stehen die Chancen bei der Internen Kommunikation?
Es gibt erste Überlegungen in Unternehmen, für Führungskräfte einen eigenen Kanal über Tablets aufzumachen. Da kann der CEO morgens mal kurz ein Video aufnehmen und davon ausgehen, dass es bis abends alle – egal wo sie sich international gerade aufhalten – gesehen haben und gleichzeitig Rückkanäle öffnen.
Haben Sie bereits entsprechende Aufträge?
Ja, aber konkreteres kann ich noch nicht dazu sagen.
Wo investieren sie derzeit am stärksten?
In Menschen, mit denen wir unsere neuen Medienstrategien auch umsetzen können. Dazu zählen Objective-C-Programmierer, wie man sie für die iPad-Programmierung braucht.
Warum kaufen Sie Programmierleistung nicht einfach zu?
Weil wir uns dann in eine große Warteschlange reihen und Gefahr laufen, Termine nicht halten zu können. Unsere Philosophie heißt: hohe Fertigungstiefe im eigenen Haus.
Schraubt man Ansprüche an Crossmedia-Content nicht zurück, wenn man ein Magazin ausschließlich fürs Tablet baut?
Das ist so. Ich gehe deshalb davon aus, dass man Tablet-PC-Inhalte künftig ebenso auf ansprechenden Plattformen im Netz zur Verfügung stellt. HTML 5 funktioniert auf Apple wie im Internet.
HTML 5 ist also das Online-Format der Zukunft?
In jedem Fall dann, wenn man in seine crossmediales Denken auch die Tablets einbezieht. In ein bis zwei Jahren, wird HTML 5 viele Flash-Elemente ersetzen können.
Ist der Tablet-Magazinvertrieb als Apps über Online-Stores die sinnvolle Vertriebsstrategie für Corporate Publisher?
Apps könnten als Transportkanal im Tabletbereich durchaus eine Übergangsfunktion behalten.
Noch verhalten sich Unternehmen beim Tablet eher zögerlich.
Ja, wir reden derzeit noch über ein Innovations- und kein Reichweitenthema. Dabei ist vorerst, wer als innovativ gelten möchte. Doch das Tablet wird sicher auch ein Reichweitenthema. Und wer dann keine Erfahrung hat, ist nicht mehr dabei. Ich gehe davon aus, dass sich ab dem zweiten Quartal 2011 sehr viel tun wird.
Welche Rolle spielt die Microsoft-Umgebung der meisten Firmen für eine iPad-Druchdringung mit Mac-Software?
Das ist zweifellos ein Thema. Die meisten Firmen laufen mit Microsoft und Linux-Systemen. Wer mit dem Tablet den Vertrieb unterstützen will, muss auch saubere Schnittstellen zu dessen Systemen, beispielsweise SAP, programmieren können. In diese Welt Apple hineinzulassen, braucht größere Überzeugungsarbeit.
Wird sich der Corporate Publisher allmählich zum Software-Ingenieur entwickeln müssen?
Wer zu den Vertriebssystemen vordringen will, braucht technologisches Know-how. Das ist für uns Corporate Publisher noch Neuland und wird so auch noch nicht beherrscht. Dazu kommt, dass wir hier mit ganz anderen Leuten sprechen, die andere Anforderungen an uns stellen als „nur“ Content zu liefern.
Die Direktmarketer sind bereits Vertriebs- und CRM-fit. Kommt hier die nächste Kooperations-Welle?
Wir haben bereits vor drei Jahren eine Hamburger Direktmarketing-Agentur bei uns integriert, auch um uns Adress- und CRM-Know-how anzueignen. Und wir haben heute schon Aufträge, die zu 60 Prozent Direktmarketing und nur zu 40 Prozent CP-Kompetenz erfordern. Da ist das Zusammenspiel bereits Realität.
Wie sieht das Profil des erfolgreichen CP-Managers demnach künftig aus? Er bringt die Kompetenz des Storytellings mit Fachkompetenz im CRM und den digitalen Funktionsweisen zusammen und schmiedet daraus neue, überzeugende Angebote für den Markt.
Das Interview führte Pia Dahlem. Es stammt aus der neuen Print-Ausgabe von cpwissenFACTS zum Thema "Publishingsysteme". Die Schwerpunktausgabe fokussiert die Zukunftsfähigkeit der Systeme hinsichtlich digitaler Magazine und Apps.
Das Magazin kann zum Preis von 12,80 Euro direkt hier bestellt werden.
© CPWISSEN 28.03.2011 17:40






Diskutieren Sie über diesen Artikel