Der Abschied vom Profi-Sektor
Lars Reckmann, Geschäftsführer von Bavaria Interactive, Geiselgasteig, zweifelt an Apples Kurs in Sachen Videoschnitt-Software. Statt den Profisektor zu pflegen, suchen Entwickler und Vermarkter in Cupertino das Massengeschäft - und könnten ihre Profis an die Konkurrenz verlieren.
Schön war die Zeit, als Apple sich noch um Medienprofis bemühte. Entwickler aus dem fernen Cupertino suchten die Nähe zu uns Medienmachern und vermochten durch den erfolgreich geführten Dialog bahnbrechende Software zu entwickeln: Lösungen wie die Compositing-Software Shake oder die Videoschnitt-Software Final Cut Pro (FCP), die von der Branche begeistert aufgegriffen wurden. Platzhirsche wie der Avid Media Composer wurden so von den Spitzenplätzen unter den NLE (Non Linear Editing)-Lösungen verdrängt. Der anstrengende und teure Austausch mit den Medienprofis hat sich für Apple mehr als nur gelohnt: Die Allianz mit uns Medienmachern war entscheidend für den erfolgreichen Aufbau von Apples Markenimage.
Es schien eine ausgemachte Sache zu sein, dass Apple weiterhin nachhaltiges Interesse an der Pflege des Profisektors haben würde. Rund um die Verleihung der Academy Awards im März 2010 erschienen zahlreiche Meldungen, die vor Lobpreisungen für Apples Final Cut Studio Postpro-Suite nur so strotzten.
Hand auf’s Herz: Wer von uns Apple-Jüngern hat sie nicht genossen, diese vermeintliche Überlegenheit, die ein dezent illuminierter angebissener Apfel quasi automatisch ausstrahlte? (Vielleicht hat mein Bruder deswegen bereits 1999 das Apple-Logo seines Laptops abgeklebt?)
Als Apple im November 2010 ankündigte, den Verkauf des Xserve einzustellen, unkte mein Kollege Manuel, „jetzt beginnt Cupertino mit dem Ausstieg aus dem Profi-Sektor“. Ich weiß noch genau, wie wir damals alle über Manuels These gelacht haben. Wir konzentrierten uns statt dessen darauf, der Bavaria Film EDV-Abteilung, den IT-Kollegen und Sysadmins das Apple Betriebssystem näher zu bringen, damit wir unsere sechs FCP-Schnittplätze endlich nahtlos ins lokale Netzwerk integrieren können.
Am 21. Juni 2011 endete diese schöne Zeit.
Mit der Markteinführung von Final Cut Pro X hat Apple die Katze aus dem Sack gelassen und eindrucksvoll klargestellt, dass Cupertino jetzt, am Zenit des Markenhimmels angekommen, den Profisektor nicht mehr braucht.
Dieser Film drückt am besten aus, was ich damit meine.
Brancheninsider und Ex-Shake-Entwickler Ron Brinkman bringt das Thema in seinem Blog nüchtern auf den Punkt: “Doesn’t Apple care about the high-end professional market?“ „In a word, no. Not really. Not enough to focus on it as a primary business.“
Für uns bei Bavaria Film Interactive bedeutet Apples Rückzug aus dem Profi-Sektor zweierlei:
Erstens: Ob wir künftig weiterhin in Apple-Schnitt-Hardware investieren werden, ist mehr als fraglich, schließlich läuft Avids und Adobes Profi-Video-Software auch auf Windows-Maschinen. Zweitens: Leute, hört auf Manuel und meinen Bruder, sie kennen die Zukunft besser als wir alle zusammen!
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© CPWISSEN 08.08.2011 10:10






































































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