.: Experten-Forum
Corporate Film

Klimaneutral produzieren und kommunizieren

Die Zeit ist reif, nicht nur grün zu denken und zu produzieren, sondern auch grün zu kommunizieren. Vor allem dort, wo Corporate Film und TV journalistische Inhalte transportieren, sind sie der Überprüfung auf Glaubwürdigkeit ausgesetzt. Holger Koenig, Geschäftsführer von Koenigsfilm, der ersten CO2-neutralen TV- und Filmproduktion in Deutschland, zum Nutzen CO2-neutraler Bewegtbild-Produktionen.

Klimaneutral produzieren und kommunizieren
Holger Koenig, Geschäftsführer von Koenigsfilm

Mit Siemens, Henkel, Adidas und SAP zählen nur noch vier deutsche Unternehmen zu den „global 100 most sustainable corporations in the world“. Führend in dieser Wertung ist Großbritannien mit 21 Unternehmen in den Top 100, vor den USA mit zwölf Vertretern. Kein Zufall also, dass Jack Bauer, der härteste Agent der TV-Welt, in der aktuellen Staffel der US-Serie 24 neuerdings „carbon neutral“ Auto fährt. CO2-neutrale TV-Produktion hat jetzt die erfolgreichsten Formate erreicht. Wirtschaftlicher Erfolg und Klimabewusstsein werden in Zukunft zusammengehören. Bestes Beispiel: Rupert Murdoch, einer der erfolgreichsten Medienunternehmer der Welt. Seine News Corporation wird in diesem Jahr zum ersten Mal CO2-neutral produzieren. Verpassen die deutschen Publisher den Anschluss?

Wenn Sie bei CPWISSEN das Wort „klimaneutral“ in die Suchmaske eingeben, erhalten Sie zwei Treffer. Das Ergebnis zusammengefasst: „Corporate Publishing goes Green“, aber leider nur im Ausland, und nur im Printbereich. Natürlich war die klimaneutrale Produktion von Printmedien der erste Schritt für viele Unternehmen, ihre Anstrengungen auch auf den Kommunikationsbereich auszuweiten. Bis vor kurzem erwarb man leichter eine Tonne CO2-neutral gestelltes Papier, als eine Minute CO2-neutrales Corporate TV. Doch es ist inzwischen möglich, für jedes Bewegtbild-Projekt die tatsächlich anfallenden CO2-Emissionen zu berechnen und sie durch Ankauf und Stilllegung hochwertiger Emissionsminderungs-Zertifikate zu kompensieren. Schon im Planungsprozess kann das Ziel möglichst geringer Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden - für Kreation, Dreh, Postproduktion und Distribution. Der nächste Schritt wird die CO2-neutrale TV- und Filmproduktion sein.

Die Bedeutung von Bewegtbild im Web nimmt zu. Nikolai A. Behr, Vorsitzender der CTVA meint: „Der Hauptumsatztreiber beim Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation werden journalistisch geprägte Informationsfilme sein.“ Markus Elsen, Geschäftsführer des Corporate Publishing Bereichs bei Grasundsterne sieht das ähnlich: „Die Zuschauer erwarten auch im Web-TV Top-Qualität. Nur wer professionell kommuniziert, verhält sich markenadäquat.“ Dort wo Corporate-Film und -TV journalistische und mehrwertorientierte Inhalte transportieren, sind sie besonders der Überprüfung auf Glaubwürdigkeit ausgesetzt. Besonders beim Einsatz von Bewegtbild im Social Web entsteht ein erheblicher Glaubwürdigkeitsdruck.

Wer klimaneutral redet, wird auch gefragt, ob er klimaneutral handelt, also auch klimaneutral kommuniziert, egal mit welchem Medium. Inzwischen können spezialisierte Unternehmen wie zum Beispiel ClimatePartner in München den CO2-Ausstoß jeder Filmszene und jedes kompletten Films berechnen. Dass der Aston-Martin von James Bond rund 50 Kilogramm Kohlendioxid auf 100 Kilometer produziert, liegt sicher an der Fahrweise von 007. Dass in Bonds Filmen Autos in Flammen aufgehen, liegt sicher an seinen Verfolgern, ist aber schon erheblich klimaschädlicher: rund 175 Kg CO2. Dass in Bonds Filmen ganze Gebäude explodieren, sprengt in jeder Hinsicht den Rahmen: Ausstoß etwa 1.100 Kg CO2 pro Haus. Soweit zu Bond. Doch auch die Produktion von Image- und Produktfilmen addiert mit jeder Filmsekunde zur CO2-Bilanz, egal wie aufwändig produziert wird. Es gibt jedoch eine Lösung.

Die Kompensation von Treibhausgasen ist kein Hexenwerk und absolut erschwinglich. Beispiel: Der Imagefilm der Balfour Beatty Rail GmbH München zum Thema „Arbeitssicherheit“ trägt, wie die Kampagne innerhalb des Unternehmens, den Titel Zero Harm. Was liegt näher, als den Film so umweltverträglich wie möglich herzustellen? Schon in der Produktionsplanung wurden alle Maßnahmen ergriffen, um beispielsweise die Film-Teams ressourcenschonend zu transportieren. Vermeintliche Kleinigkeiten tragen dazu bei, die Gesamtproduktion von Treibhausgasen so weit wie möglich zu reduzieren: Die Bildaufzeichnung erfolgt „tapeless“, also auf wieder verwendbaren Speicherkarten anstatt Tapes.

Für dieses hochwertige HD-Projekt mit zehn Drehtagen an 15 Drehorten entstehen insgesamt rund 4,2 Tonnen CO2. Mit eingerechnet ist sogar der Energieaufwand für die Kaffeemaschine in der Schnitt-Suite. Die Berechnung der Emissionen erfolgt über einen detaillierten Erfassungsbogen durch Spezialisten, die Feuerwerkszenen ebenso berechnen können, wie eine Dolly-Fahrt durch die Lobby des Unternehmensgebäudes.

Klar ist: Die Emission von CO2 lässt sich zur Zeit noch nicht vermeiden. Wünschenswert ist, den Grad der Nachhaltigkeit konsequent zu steigern. Machbar ist die Reduzierung der CO2-Emissionen und die Kompensation der Treibhausgase, die bei einer Filmproduktion entstehen. Dies geschieht über Emissionszertifikate, die aus Klimaschutzprojekten stammen. Die neue Kompostierungsanlage in Kapstadt zum Beispiel, die 60.000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen wird, ist durch den TÜV Nord validiert. Der Bau solch einer Anlage wird durch Kompensationszahlungen finanziert.

Der Auftraggeber eines Films kann aus einem Katalog solcher Klimaschutzprojekte wählen, und jederzeit nachvollziehen, in welchem Projekt die Kompensationszahlungen dazu beitragen, den zukünftigen Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Im Beispiel des Films Zero Harm bedeutet das: ab rund 500 Euro kann ein derartiger Film CO2-neutral gestellt werden. Im Vergleich zum Produktionsaufwand ein kleiner und gleichzeitig erheblicher Beitrag.

Die Idee ist simpel: Wenn in einem Corporate Film von Nachhaltigkeit und Umweltschutz die Rede ist, warum dann nicht gleich die komplette Filmproduktion CO2-neutral realisieren? Ein Corporate Video klimaneutral herzustellen führt nicht nur zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsgewinn, sondern ist gleichzeitig selbst Botschaft und Content. Sogar klimaneutral hergestellte Produktfilme oder Projektdokumentationen zeigen: Dieses Unternehmen denkt und agiert ganzheitlich, selbst in der Wahl seiner Kommunikationsmittel und ihrer Herstellung. Wer nachhaltig denkt, kann also nur gewinnen – an neuen Ideen im Corporate Publishing und Differenzierungsmerkmalen, die echte Mehrwerte bedeuten.

 Premiumdienstleister Koenigsfilm

© CPWISSEN 05.07.2010 09:40

Zurück

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Name (Pseudonym)*